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Die Griechen vor Troia. Der Zorn des Achilleus

n Troia wusste man noch nichts von der Ausfahrt der großen griechischen Flotte. Dennoch beherrschten Schrecken und Furcht vor einem kommenden Kriege die Stadt. Paris war mit der geraubten Gattin glücklich heimgekehrt, aber sein Vater, der König Priamos, hatte die unerbetene Schwiegertochter sehr ungnädig empfangen und seine zahlreichen Söhne unverzüglich zu einer Fürstenberatung in den Palast berufen; sie sollten mit ihm entscheiden, was mit der Griechin zu geschehen habe und durch welche Strafe Paris für seine Untat büßen solle. "Er bringt uns alle in höchste Gefahr!" hatte Priamos ausgerufen. Paris aber hatte bald alle Brüder für sich gewonnen. Er überließ ihnen die Schätze aus dem Königspalaste zu Sparta und bat die noch Unvermählten, sich unter den herrlichen Griechenmädchen Helenas eine Gattin zu wählen. So stimmten Gold und Frauenschönheit auch die Ergrimmtesten milde. "Lasst uns Helena in den Schutz des Königshauses aufnehmen", sprachen sie, "und wenn die Griechen kommen, sie zu holen, so werden wir sie ihnen nicht ausliefern!" Helena bezog hierauf mit Paris einen eigenen Palast im Bereiche der Burg und lebte ungefährdet am Königshofe von Troia. Und auch das Volk, das den Räuber Paris zuerst am liebsten gesteinigt hätte, erlag allmählich dem Zauber von Helenas Schönheit und griechischer Anmut; es beruhigte sich und fasste Mut. Die Troer zählten die Bürger in der Stadt und die Bundesgenossen im Lande ringsum und fanden die eigene Streitmacht an Zahl und Kraft der Helden den Griechen gewachsen. Feldherr war der Königssohn Hektor, der stets vom Heimbusch umwehte Recke. Er teilte seine Gewalt über das Heer der Dardaner mit dem tapferen, weisen Aeneas, welcher Krëusa, eine Tochter des Priamos, zur Gemahlin hatte und ein Sohn der Göttin Aphrodite und des greisen Helden Anchises war. Außerdem vertrauten die Troer inbrünstig auf die Hilfe der Götter. Sie rechneten mit dem Beistande Apollons und des Kriegsgottes Ares, ja des Göttervaters selber, und wenn auch die mächtige Pallas Athene und Hera, die Göttermutter, auf seiten des Feindes standen, so waren dafür Artemis, die Göttin der Jagd, und Aphrodite, die Göttin der Liebe, den Troern gewogen. Eines Tages landeten die Griechen. Zwischen den Vorgebirgen Sigeion und Rhoiteion, wo die Flüsse Skamandros und Simoeis vereinigt ins Meer münden, errichteten sie an der Küste ein geräumiges Lager. Sie zogen die Schiffe an Land und stellten sie, zum Schutz gegen die Bodenfeuchtigkeit, auf einer Unterlage aus Steinen in mehreren stufenförmig ansteigenden Reihen am Ufer auf. Nun errichteten die Völkerschaften Lagerhütten aus Erde und Holz und deckten sie mit Schilf, so dass das ganze Lager bald aussah wie eine richtige Stadt, von Straßen durchzogen; ja die Unterkünfte des Achilleus und des Telamoniers Aias, die an den Enden der dem Lande zu vordersten Schiffsreihe einander gegenüberlagen, glichen beinahe ordentlichen Wohnhäusern. Achilleus hatte sogar Scheunen und Ställe.

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