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Die Schlacht der Götter und Menschen

un ruhten die Heere. Aus dem Meer stieg die bestirnte Nacht und wölbte sich schützend über Freund und Feind. Auf dem Blachfelde vor ihrer hochragenden Stadt versammelten sich die Troer, um zu beraten, was weiterhin geschehen sollte. Aufrecht standen sie alle, keiner wagte sich zu setzen, die Angst vor Achilleus durchbebte jeden. "Der Pelide kämpft wieder", riefen sie schreckerfüllt durcheinander, "wir haben ihn mit eigenen Augen gesehen!" Da erhob der verständige Polydamas, dem Vergangenes wie Künftiges offenkundig war, seine Stimme: "Lasst uns hinauf nach Ilion eilen und uns hinter den Mauern verbergen, ehe der Tag graut! Findet Achilleus uns hier, dann werden alle froh sein, die sich zur rechten Zeit vor seiner Rache retteten. Viele werden ein Fraß der Hunde und Geier sein! Darum verbringet die Nacht auf dem Markt der Stadt, ihr Krieger! Morgen früh stehen wir wieder rings auf den Mauern von Troia, und wehe dem Sohne des Peleus, wenn er es wagt, von den Schiffen her anzustürmen und mit uns zu kämpfen!" Finster blickend betrat Hektor den Kreis. "Deine Rede, Polydamas, gefällt mir wenig", begann er. "Jetzt, da wir die Griechen bis ans Meer zurückgejagt haben und Zeus mir den Sieg verleihen will, berätst du uns so töricht? Haha, fortan wird dir keiner im Dardanerheere mehr folgen! Höret mich: Stellt Wachen aus, entfachet Feuer und lasst euch in Rotten zum Mahle nieder, und tafelt mir nicht zu karg! Wer für sein Gut fürchtet und es dem Feinde nicht gönnen mag, der verprasse es mit den Freunden noch in dieser Nacht! Morgen früh stürmen wir erneut die Schiffe, und erscheint Achilleus wirklich wieder in der Schlacht, um so besser, denn ich werde nicht ruhen, bis die Götter ihm oder mir den Sieg verleihen!" Mit rauschendem Beifall begrüßten die Troer Hektors Wort, die warnende Rede des Polydamas war vergessen. Wie der Feldherr es befohlen, so loderten bald die Feuer gen Himmel, hungrig ließen sich alle zum Mahle nieder, indes die Wachen rings um das Lager scharfäugig meerwärts spähten. Die ganze Nacht über wehklagten die Griechen um Patroklos. Achilleus legte die Hände auf die Brust des Freundes und stöhnte wie eine Löwin, der ein Jäger die Jungen geraubt. "Ach", rief er, "was war ich für ein kindischer Tor, als ich dem König Menoitios versprach, ihm seinen Sohn heil und ungekränkt in die Heimat zurückzubringen! Der Mensch plant gar vieles, Zeus aber lenkt es im Verborgenen anders, und nun erst ist es offenbar, dass die Götter uns beiden den Tod vor Ilion bestimmt haben, denn auch mein Blut wird diese fremde, verhasste Erde trinken. Aber nicht eher, als bis ich dir, mein Patroklos, Hektors Haupt und Waffen als Totengabe gebracht und zwölf edelste Troersöhne an deinem Scheiterhaufen geschlachtet habe!" Dies war des Achilleus Totenklage um den geliebten Freund. Als er sie geendet hatte, befahl er, einen großen Kessel mit Wasser auf einem Dreifuß über das Feuer zu stellen und den Gefallenen zu waschen und zu salben. Hierauf wurde er schön gebettet, mit köstlicher Leinwand vom Haupt bis zu den Füßen umhüllt und mit einem schimmernden Teppich zugedeckt.

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