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Heimkehr und dunkles Ende

önig Aietes und sein Volk hatten inzwischen die Flucht der Argonauten und den Raub des Goldenen Vlieses entdeckt. Sofort lief eine schnelle Flotte mit den tapfersten Kolchern unter der Führung des Absyrtos aus. Absyrtos war ein Sohn des Aietes und ein Bruder der Medeia. Seine Schiffe erreichten die Argonauten vor der Mündung des Isterflusses mit seinen vielen Inseln. Auf eine von diesen flüchteten sich die Griechen vor der Übermacht der Kolcher. Diese folgten ihnen, und es sollte zum Kampfe kommen. In ihrer Bedrängnis baten die Griechen um gütlichen Vergleich, und man kam überein, dass das Goldene Vlies den Argonauten bleiben sollte, weil König Aietes dem Iason das heilige Widderfell versprochen hatte, falls er das Abenteuer auf dem Felde des Ares bestand. Medeia hingegen sollte durch ihren Bruder dem Vater zurückgegeben werden. Die Jungfrau aber wusste, dass für sie die Rückkehr ins Kolcherland nur schimpflichen Tod bedeuten konnte; man würde die treulose Priesterin qualvoll vor allem Volke hinrichten. So vertraute sie sich Iason an und beschwor ihn bei seiner Liebe, ihr zu helfen. Iason lockte nun den jungen Kolcherfürsten auf eine abgelegene Insel, indem er ihn zu einem Gastmahl dorthin einlud. Absyrtos, durch feierliche Versprechungen seiner Schwester betrogen, segelte wirklich allein in dunkler Nacht zu dem Eiland hinüber, auf dem sich ein der Artemis heiliger Tempel befand. Kaum aber war er dort mit Medeia, die ihn erwartet hatte, allein, als Iason aus dem Hinterhalt hervorbrach und den Jüngling vor den Augen der Schwester mit dem blanken Schwerte anfiel. Medeia wandte sich ab und bedeckte ihr Haupt mit dem Schleier, um den Mord nicht mit ansehen zu müssen. Wie ein Opfertier stürzte Absyrtos wortlos unter den Streichen Iasons zusammen, Medeias Gewand und Schleier mit seinem Bruderblute bespritzend. Die Rachegöttin aber, der nichts entgeht, starrte aus ihrem Versteck mit finsteren Augen auf die grässliche Tat, die hier geschah. Fortan lastete Unglück über Iasons und Medeias Liebe. Iason reinigte sich vom Mord und begrub den Leichnam. Dann gab Medeia den Argonauten mit einer Fackel ein verabredetes Zeichen, sie landeten auf der Insel, an welcher die ahnungslosen Kolcher vor Anker lagen und friedlich schliefen, und überfielen sie wie Habichte eine schutzlose Taubenschar. Nicht einer entkam. Nun erst konnten die Argonauten die Heimfahrt ungestört antreten. Ein günstiger Wind schwellte das Segel ihres herrlichen Schiffes, und während Orpheus ihre Irrfahrten und Abenteuer zu den Klängen seiner göttlichen Harfe besang, kamen die Helden ohne weiteren Unfall im Hafen von Iolkos an. So endet die Sage vom heiligen Zug der Argonauten zum Goldenen Vlies nach Kolchis.

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