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Der Kampf auf dem Acker

ason befolgte genau, was Medeia ihm aufgetragen hatte. Er empfing von Aietes' Boten einen Helm voll spitzer Drachenzähne, badete im Fluss, opferte der Göttin und salbte Leib und Waffen mit dem Zauberöl. Da fühlte er gewaltige Kräfte seine Glieder durchrinnen, in seine Hände strömte Stärke, sein Herz klopfte vor Kampfbegier. König Aisons Sohn reckte sich im Hochgefühl seiner Streitkraft, waffenklirrend sprang er in sein Schiff und ließ sich über den Fluss hinüberrudern zum Aresfeld. Dort lagerten bereits König Aietes und sein Volk, jener am Ufer, dieses auf den Klippenvorsprüngen des Kaukasus. Den Helm mit den Drachenzähnen unter dem Arm, sprang Iason ans Land. Herrlich wie Ares oder Apollon schritt er in die Mitte des Blachfeldes vor und blickte um sich. Da sah er die ehernen Joche der Stiere auf dem Boden liegen, daneben den Pflug mit der gewaltigen Pflugschar, alles aus schwerem Eisen gehämmert. Er legte den Helm mit den Drachenzähnen nieder, packte die Lanze fester und schritt, von seinem Schilde gedeckt, weiter, nach den Fußstapfen der Tiere forschend. Diese aber brachen von einer anderen Seite unvermutet aus einem unterirdischen Gewölbe hervor, wo sie ihren Stall hatten. Flammenschnaubend und in dicken Rauch gehüllt, stürmten die beiden Stiere heran. Iasons Freunde erschraken beim Anblick der Ungeheuer bis ins Innerste, er aber stand mit gespreizten Beinen ruhig da und erwartete, den Schild vor der Brust, ihren Ansturm, wie ein Meeresfels den Ansturm der Flut erwartet. Mit gesenkten Hörnern rasten sie heran, aber ihr furchtbarer Stoß konnte ihn nicht erschüttern, so fest stand er. Brüllend und wie Schmiedebälge schnaubend, wiederholten die Stiere ihren Anlauf; von der Glut ihrer Flammen wie von Blitzesstrahlen umzuckt, hielt Iason ihren vereinten Stößen stand, sie brachten ihn nicht von der Stelle, so herrlich beschützte ihn Medeias Zauber. Endlich ergriff er den Stier zur Rechten beim Horn, zog ihn mit aller Kraft bis zu der Stelle, wo das Joch lag, und versetzte ihm dort einen Tritt gegen die erzenen Beine. Das Tier brach in die Knie und ließ sich willig das Joch auflegen. Auch den zweiten Stier bezwang er so. Dann warf er seinen Schild von sich, hob die eiserne Deichsel des Pfluges hoch und fügte sie in den Ring des Joches. Er nahm seinen Schild wieder auf, hängte ihn sich am Riemen über den Rücken, ergriff den Helm mit dem schaurigen Saatgut und trieb die zornigen Stiere mit Lanzenstichen vorwärts.

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