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Der Weg zum Vater

er Landweg nach Athen war gefährlich, überall lauerten Räuber und Bösewichter. Jene Zeit brachte Menschen von Riesengröße und unüberwindlicher Leibeskraft hervor, die nur auf Übermut und Gewalttat sannen und alles misshandelten oder vertilgten, was ihnen in die Hände fiel. Menschenliebe war ihnen fremd. Von solchen Wesen wimmelte es allerorten. Das erste von ihnen, das in der Gegend von Epidauros aus dem Wald hervorstürzte und Theseus den Weg versperrte, war der Straßenräuber Periphetes. Ihm eignete weder das Licht der Gedanken noch die Wärme des Gefühls; hinter seiner Stirn war es finster wie sternlose Nacht, hinter seiner Brust kalt wie eisiger Winter, nur das Feuer eines blindwütigen Willens, das in seinen Gliedern lebte, erfüllte sein ganzes Wesen vom Scheitel bis zur Sohle. Seine Waffe war eine eisenbeschlagene Keule, von welcher er den Beinamen "Keulenschwinger" führte; mit ihr zerschmetterte er den Wanderern das Haupt. Der Jüngling Theseus aber blieb ganz wohlgemut und rief dem Bösewicht zu: "Du Elender! Du kommst mir gerade recht! Deine Keule muss ich haben; sie wird mir wohl anstehen, der ich gesonnen bin, als ein zweiter Herakles in der Welt aufzutreten!" Er warf sich mit gezücktem Schwert auf den Wegelagerer und erschlug ihn nach kurzem Kampfe. Die Keule wand er dem Getöteten aus der riesigen Faust und behielt sie als Siegeszeichen und Waffe. Einem anderen Frevler begegnete Theseus auf der Landenge von Korinth; es war Sinnis, der "Fichtenbeuger". Dieser Wüterich hatte seinen seltsamen Beinamen daher, dass er, sobald ein Wanderer in seine Gewalt geraten war, mit seinen riesenstarken Händen zwei Fichtenwipfel herabbeugte, an welche er die armen Gefangenen band. Dann ließ er die Bäume zurückschnellen, wodurch seine Opfer zerrissen wurden. Mit der Erlegung dieses Ungeheuers weihte Theseus seine Keule ein. Nun kam er an die Grenze des Gebietes der uralten Stadt Megara, gegenüber der Insel Salamis, wo er auf den Straßenräuber Skiron stieß. Dieser Übeltäter hauste auf dem hohen Felsengebirge zwischen dem Megarerlande und der Halbinsel Attika, der Landschaft, in welcher sich die heilige Stadt Athen befindet. Skiron hatte die Gewohnheit, den vorbeikommenden Fremden seine Füße hinzuhalten mit dem Befehl, sie zu waschen; und während der Wanderer furchtsam gehorchte, stieß er ihn mit einem Tritt ins Meer, wo er ertrank. Dieselbe Todesstrafe vollzog nun Theseus an dem Unhold: er lauerte ihm in den Felsen auf, sprang ihn an und schleuderte ihn mit einem gewaltigen Fußtritt in die aufrauschende Salzflut.

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