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Die drei nächsten Arbeiten

un kam die vierte Arbeit. Sie bestand darin, den Erymanthischen Eber, der gleichfalls der Artemis heilig war, zu bezwingen. Das stachelborstige Wildschwein verwüstete die Gegend um den Berg Erymanthos, und Herakles sollte auch dieses Tier lebendig nach Mykenai bringen. Auf dem Weg ins Gebirge erlebte der Held zunächst ein sonderbares Abenteuer. Er kehrte nämlich bei dem Kentauren Pholos ein, einem Sohn des trinkfreudigen Satyrs Silenos und Enkel des Pan, der ihn gastfreundlich aufnahm und ihm das Fleisch gebraten vorsetzte, während er selbst es roh verzehrte. Als das Mahl beendet war, verlangte Herakles noch einen guten Trunk. Doch da sprach Pholos: "Lieber Freund, ich habe zwar ein Fass in meinem Keller, dort liegt es gut verwahrt, aber ich scheue mich, es zu öffnen, denn es gehört allen Kentauren gemeinsam, und so gerne ich Menschen oder Götter an meinem Tische sitzen sehe, so wenig fragen meine anderen Stammesbrüder nach Gästen, sie sind allen feind." "Ach was", sprach Herakles, "öffne den Spund und sei guten Mutes, ich werde dich schon zu verteidigen wissen. Mich dürstet!" Das Fass hatte aber Bakchos, der Gott des Weines, selbst den Kentauren übergeben und ihnen befohlen, es nicht eher zu öffnen, als bis Herakles auf seiner Erdenwanderung eines Tages bei ihnen einkehren würde. Nun zapfte Pholos etwas von dem stärkenden Götterwein für Herakles ab. Doch kaum war der Krug voll, als es vor dem Eingang auch schon von Kentauren wimmelte, die den Duft des alten Weines gerochen hatten und nun, mit Felsblöcken und Fichtenstämmen bewaffnet, haufenweise herbeiströmten und die Höhle des Pholos umstellten. Als sie ins Innere eindringen wollten, verjagte sie Herakles mit glühenden Scheiten, die er aus dem Herdfeuer riss, und verfolgte hierauf das ganze trampelnde Heer mit Pfeilschüssen bis an die Südspitze der Peloponnes. Er tötete oder verwundete ihrer viele und kehrte dann wieder in die Behausung des Pholos zurück. Dort widerfuhr ihm herber Schmerz: sein Wirt, der Kentaur, lag tot auf dem Boden der Höhle. Er hatte aus dem Leichnam eines Bruders den Todespfeil herausgezogen, um das kleine Ding näher zu betrachten, das einen so mächtigen Kentauren niederwerfen konnte. Aber während er es verwundert hin und her gewendet hatte, war ihm das vergiftete Geschoss plötzlich entglitten und ins Bein gefahren. Herakles war sehr traurig. Er bestattete den Freund ehrenvoll, indem er ihn unter den Berg legte, der noch heute nach Pholos benannt ist, trank von dem Wein und machte sich dann auf die Suche nach dem Erymanthischen Eber. Er trieb ihn mit Geschrei aus dem Dickicht des Waldes heraus, verfolgte ihn durch ein riesiges, tiefes Schneefeld, bis das Tier erschöpft war, und band es dann mit Stricken. So brachte er es heim nach Mykenai.

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