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Der Sieg über die Minyer und die Gigantenschlacht

ald nach dieser Begegnung fand der junge Held Gelegenheit zu seinen ersten Taten. Als er einmal von der Jagd heimkehrte, begegneten ihm Herolde des Minyerkönigs, die von den Thebanern einen ungerechten und schimpflichen Jahrestribut eintreiben wollten. Herakles, der sich als Anwalt aller Unterdrückten fühlte und zudem erfuhr, dass die fremden Boten auf ihrer Reise eine Menge friedlicher Bauern und Bürger misshandelt hatten, züchtigte sie auf der Stelle und schickte sie alle verstümmelt und mit einem Strick um den Hals dorthin, woher sie gekommen. Ihr Herr verlangte zornentbrannt die Auslieferung des Täters, und Kreon, der König der Thebaner, wollte ihm, aus Furcht vor einem Zerwürfnis, seinen Willen tun. Aber Herakles sammelte eine Schar handfester, mutiger Jünglinge um sich und sagte den Minyern den Krieg an. Sie fanden zunächst keine Waffen, weil man den Thebanern aus Angst vor einem Volksaufstand Speere und Schwerter genommen hatte. Da rief Pallas Athene den Herakles in ihren Tempel und rüstete ihn samt seiner kleinen Schar mit ihren eigenen Waffen aus. Nun ging es dem Feind entgegen. In einem Engpass kam es zum Treffen, und obwohl der Minyerkönig den Eindringlingen ein stattliches Heer entgegengeschickt hatte, wurde es doch jämmerlich zusammengeschlagen. Ein kleiner Rest konnte entfliehen, und die paar Krieger erzählten daheim, mit welchem Ungestüm Herakles und seine Genossen zu kämpfen verstünden. Sie waren jedoch mit ihrem Bericht noch kaum zu Ende, als Herakles mit den Seinen bereits vor der Hauptstadt erschien, sie nach kurzer Gegenwehr einnahm und völlig zerstörte. Kein Stein blieb auf dem anderen. Ganz Griechenland bewunderte seine Tatkraft. König Kreon gab ihm als besondere Auszeichnung seine Tochter Megara zur Frau; sie gebar ihm drei Söhne. Die Himmlischen aber ehrten Herakles mit den köstlichsten Geschenken: Hermes verlieh ihm ein Schwert, Apollon gab ihm Pfeile, Hephaistos einen goldenen Köcher und Pallas Athene einen herrlichen neuen Waffenrock. In der Schlacht in jenem Engpass war Amphitryon, des Herakles Stiefvater, tapfer kämpfend gefallen. Der Held betrauerte ihn tief. Es währte nicht lange, so konnte Herakles den Göttern ihre Gunst reichlich vergelten. Die Giganten, das furchtbare Riesengeschlecht aus dem Schoße der Erdgöttin, erhoben sich gegen Zeus, den neuen Weltbeherrscher, weil er ihrer Mutter ältere Söhne, die Titanen, in den Tartaros, die finstere Unterwelt, hinabgestoßen hatte. Als die Ungeheuer, die statt der Füße geschuppte Drachenleiber hatten, in die Gefilde Thessaliens einbrachen, erblassten die Gestirne vor ihrem Anblick, und der Sonnengott drehte seinen Wagen um. Mutter Gaia aber, die Erdgöttin, rief den Riesen aus der Tiefe zu: "Nun rächet die alten Götterkinder, die am Anfang waren! Noch schmachtet mein Enkel Prometheus, an den Felsen geschmiedet, noch muss Atlas, mein anderer Enkel, das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern tragen. 0 rächet ihre Leiden! Reißt dem Zeus Blitz und Donner aus den Händen, verjagt Poseidon aus dem Meere und nehmt Helios' Sonnenwagen in euren Besitz!" Hei, wie jubelten da die Giganten! Wie stürmten sie gegen die lichten Götter an!

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