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Die ersten drei Arbeiten

ie erste Arbeit, die Herakles auferlegt wurde, bestand darin, dass er dem König das Fell des Nemeischen Löwen bringen sollte, der in der Landschaft Argolis auf der Peloponnes in den Wäldern von Nemea sein Unwesen trieb. Den schweren Köcher über der Schulter, den Bogen in der einen, eine Keule aus einem wilden Ölbaumstamm in der anderen Hand, so zog Herakles aus. Nach einigen Tagen kam er in den Wald von Nemea. Doch wie er auch umherspähte - er konnte keine Spur des reißenden Untiers entdecken. Es war Mittag. Auf den Feldern bei den Stieren war niemand zu sehen, im Walde ruhte die Holzarbeit, keine Seele wagte sich ins Freie aus Angst vor dem Löwen, alle waren in ihren fernen, starken Gehöften eingeschlossen. Den ganzen Nachmittag durchstreifte der Halbgott den dichtbelaubten Hain, gespannt lauschend und um sich äugend, um ja nicht von der Bestie überrascht zu werden, sondern vielmehr diese zu überraschen. Endlich gegen Abend trottete der Löwe auf seinem Wechsel daher, er kam vom Fang und wollte in seine Erdhöhle zurück. Er war satt, Mähne und Brust troffen von Blut, die Zunge leckte da Kinn. Flugs sprang Herakles in den nächsten Busch und ließ den Löwen näher herankommen; dann schoss er ihm einen Pfeil zwischen die Rippen. Aber das Geschoss prallte ab wie von Stein und fiel auf den moosigen Waldboden. Das Tier hob den blutigen Kopf, ließ die schrecklichen Augen forschend nach allen Seiten rollen und fletschte die Zähne. Dabei kehrte es dem Helden die breite Brust zu, und dieser jagte ihm einen zweiten Pfeil entgegen, der sollte den Sitz des Atems treffen. Doch wiederum ritzte das Geschoss dem Löwen nicht einmal die Haut, prallte ab und blieb zu Füßen des Ungetüms liegen. Nun griff Herakles zum dritten Pfeil, aber da hatte ihn der Löwe erblickt. Wütend peitschte der lange Schweif den Boden, der Nacken schwoll vor Zorn und Kraft, unter Knurren sträubte er die gelbe Mähne, und der Rücken wurde krumm wie ein Bogen, und da sprang das entsetzliche Tier auch schon auf seinen Feind los. Herakles warf Bogen und Köcher von sich, schwang die Keule und ließ sie auf den Nacken des Angreifers niedersausen, dass dieser mitten im Sprung zu Boden stürzte und sich nur mühsam auf zitternden Beinen aufrecht hielt. Da warf Herakles die Keule weg, schlich von hinten an das Untier heran, schlang ihm plötzlich beide Arme um den Nacken und würgte ihm die Kehle so lange zu, bis es erstickte.

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