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Ende und Nachruhm

un, da Herakles sein Ziel erreicht hatte und ein Genosse der Götter geworden war, erwies er sich erst recht als ein liebender Helfer der Menschen. Nur selten verfiel er noch in die Raserei und den Trübsinn seiner Jugendzeit. Obwohl sein Geist teilhatte am Licht des Himmels, war sein Gemüt mitunter dunklen Versuchungen ausgesetzt - er lebte ja noch in irdischem Leibe. Mit seiner Gattin Megara, deren Kinder er im Wahnsinn getötet hatte, mochte er, als er wieder nach Theben zurückgekehrt war, nicht mehr gemeinsam leben. Er überließ sie seinem geliebten Freunde Iolaos als Gemahlin, jenem Jüngling, der ihm bei der Tötung der Lernaischen Hydra mit der brennenden Fackel zu Hilfe geeilt war, und sah sich nach neuem Liebesglück um. Da führte ihn sein Weg nach Aitolien auf der Peloponnes zum König Oineus, der eine wunderschöne Tochter namens Deianeira hatte. Sie war, als Herakles bei ihrem Vater als Freier erschien, bereits dem Flussgott Acheloos verlobt. Herakles kämpfte mit ihm um die Braut, aber der Flussgott wechselte dreimal blitzschnell seine Gestalt: bald erschien er als Stier, bald als schillernde Schlange, bald als Mensch mit einem Stierhaupt. In dieser letzten Gestalt besiegte ihn Herakles. Er packte das Zwitterwesen bei einem seiner Hörner und warf es mit solcher Wucht zu Boden, dass das Horn abbrach. Da gab sich der Gott geschlagen und überließ Deianeira dem Helden. Die Hochzeit, welche Herakles mit der schönen Königstochter hielt, veränderte jedoch sein Leben kaum. Nach wie vor eilte er von Abenteuer zu Abenteuer, bis ihn eines Tages das irdische Verhängnis erreichte, das sein Leben im Leibe endete und ihn an die Sterne entrückte. Das kam so: Auf einer Reise durch die Landschaft Trachis kam Herakles eines Tages an den Fluss Euenos. Dort traf er den Kentauren Nessos, der die Reisenden gegen Lohn auf seinen Händen über das Wasser trug. Herakles brauchte seine Dienste nicht, er durchschritt den Fluss ohne fremde Hilfe, aber er bat Nessos, seine Gattin Deianeira, die ihn begleitete, ans andere Ufer zu bringen.

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