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Das Orakel erfüllt sich

amit endete die Heldenfahrt des Perseus. Ohne Hindernis durfte er Andromeda in die Heimat führen, wo ihn viele glückliche Tage erwarteten. Auch seine Mutter Danae fand er wieder und nahm sie zu sich. Den König Polydektes aber, der Danae aus tyrannischem Übermut in Nacht und Elend gestoßen hatte, verwandelte er samt dessen schändlichem Gefolge durch das Medusenhaupt zu Stein. Es war das letzte Mal, dass er von der furchtbaren Waffe Gebrauch machte; er schenkte sie Seiner gnädigen Gönnerin Pallas Athene, die ihm beigestanden war, als er mit der Sichel des Hermes die Medusa getötet hatte, und die fortan das Gorgonenhaupt zur Bannung böser Dämonen in der Mitte ihres Schildes trug. Alle freuten sich der glücklichen Heimkehr des Helden, nur einer nicht: König Akrisios von Argos, sein Großvater. Dass er Tochter und Enkel so grausam den Meereswogen überantwortet hatte, bedrückte ihn, und aus Angst vor der Rache des Perseus und vor der Erfüllung des düsteren Orakels floh er zum König der Pelasger. Gerade durch diese Flucht aber lief er seinem Geschick in die Arme. Perseus, der sich auf die Reise nach Argos begeben hatte, um Akrisios freundlich zu begrüßen, kam auf dem Weg dahin ins Pelasgerland. Dort fanden zu dieser Zeit festliche Spiele statt. Der Gast beteiligte sich am Fünfkampf. Er war kühn und erfolgreich, aber plötzlich nahm der von ihm geschleuderte Diskus eine verhängnisvolle Bahn und traf mit aller Wucht das Haupt eines Greises in der Menge der Zuschauer. Man trug den Toten aus dem Stadion - mit Entsetzen erkannte Perseus, dass es sein Großvater Akrisios war. Die Weissagung hatte sich erfüllt. Perseus verfiel in unsägliche Trauer. "0 hätten mich doch", so klagte er laut, "die Wellen samt meiner Mutter Danae verschlungen! Wehe mir, dass sich der dunkle Götterspruch durch meine Hand erfüllen musste!" - Er bestattete Seinen Großvater außerhalb der Stadt und errichtete ihm einen prächtigen Hügel. Die Herrschaft über Argos, die ihm zugefallen wäre, war ihm jedoch auf immer verleidet. Er betrat gar nicht mehr den Boden dieses Königreiches, sondern vertauschte es gegen Thron und Krone von Tiryns, das bisher seinem Vetter Megapenthes gehört hatte, der an seiner Statt nach Argos ging. Von nun ab lebte Perseus als ein Liebling der Götter mit seinem schönen Weibe Andromeda, die ihm viele herrliche Söhne gebar, in deren Taten der Geist und Ruhm ihres Vaters fortlebte.

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