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Die fünf Zeitalter

oll unausschöpflicher Weisheit ist die Sage von der Erschaffung des Menschengeschlechtes durch Prometheus, der den Göttern trotzte. Aber nicht minder herrlich und tief ist, was uns der griechische Dichter Hesiodos aus Askra in Boiotien über die Entwicklung des Menschen erzählt: Unsere fernsten Urahnen entsprossen unmittelbar dem Lichtschoß des Himmels und waren selbst den Göttern ähnlich - ein goldenes Geschlecht. Damals regierte noch Kronos, unangefochten und unbefehdet; ohne Krieg und leibliches Leid, friedfertig, sorglos und gesund, an Händen, Füßen und allen Gliedmaßen rüstig, lebten die Menschen dahin, ohne Alter, ohne Tod. Niemand störte ihr einfaches Tagewerk und ihre heiteren Gelage. Das Erdreich gewährte ihnen alle Früchte von selbst und im Übermaß. Die Himmlischen hatten sie lieb und schenkten ihnen auf reichen Fluren stattliche Herden. Sünde war ihnen unbekannt: wie ihr Leib die Erde bewohnte, so wohnte zugleich ihre Seele bei den Göttern; und so kannten und befolgten sie deren geheimsten Willen. Aber die Götter fanden eines Tages keinen Gefallen mehr an den Menschen, die ihr Dasein wie Kinder hinbrachten, alles vom Himmel empfingen, nichts aus sich selber hatten. Sie wollten, dass selbständigere Wesen die Erde bevölkerten, Wesen mit eigenen Leistungen und eigenem Wissenslicht. Und so beschlossen sie, dem goldenen Zeitalter ein Ende zu machen. Sie beriefen die Menschen ab, die fortan als fromme Schutzgeister, in dichten Nebel gehüllt, den Umkreis der Erde durchwalteten, das Gute spendeten, das Recht hüteten und Vergehen ahndeten. Hierauf schufen die Unsterblichen ein zweites Menschengeschlecht, das silberne. Wie sich das Silber vom Gold unterscheidet, so unterschieden sich die Menschen dieses Geschlechtes von denen des vorangegangenen.

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