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Der Frevler Sisyphos

as grause Schicksal des Sisyphos, der auf einer schmalen Landenge zwischen zwei Ländern die herrliche, ragende Stadt Korinth erbaute und als deren erster König beherrschte, hängt zusammen mit einer Tat des Zeus. Der Götterkönig hatte Aigina, die schönste von den zwanzig Töchtern des Flussgottes Asopos, aus Liebe geraubt und in Adlergestalt nach jener Insel gebracht, die seither nach der Nymphe den Namen Ägina trägt. Asopos machte sich auf den Weg und suchte überall seine entführte Tochter. So kam er auch nach Korinth; dessen Burg war damals noch ohne eigenen Brunnen, man musste das Wasser eine Strecke weit herholen. König Sisyphos, den er nach dem Verbleib seines Kindes fragte und der zufällig gesehen hatte, wohin der göttliche Adler mit seiner holden Beute geflogen war, versprach dem Flussgott, ihm Aiginas Versteck zu verraten, wenn er ihm dafür aus dem Burgfelsen eine Quelle schlüge. Asopos willigte ein, schlug aus dem Berg die berühmte Quelle Peirene und begab sich hierauf nach der ihm von Sisyphos bezeichneten Insel, um seine Tochter aus der Gewalt des Göttervaters zu befreien. Sisyphos hatte nicht etwa aus Entrüstung über den Raub der Nymphe oder aus Mitgefühl mit der betrogenen Göttermutter Hera so gehandelt, sondern aus blankem Eigennutz, und dafür wollte Zeus ihn bestrafen. Er schickte ihm Thanatos, den Todesengel, aber Sisyphos überwältigte den dunklen Boten und fesselte ihn mit starken Banden. Die Folge davon war, dass niemand auf Erden sterben konnte. Endlich schwang sich Ares, der Kriegsgott, vom Olympos hernieder und befreite Thanatos.

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