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Olympos, Erde und Unterwelt

o war die Schöpfung geordnet worden.
Nicht mehr trieben maßlose Titanen ihr Unwesen im Reiche des Äthers, sondern die olympischen Götter lenkten besonnen die Schicksale der Welt. Hoch thronte Zeus, ihr Vater und König, über allen Wesen. Er ordnete Krieg und Frieden an, wie es der Lauf der Dinge verlangte. Wenn er mit seinen Augenbrauen winkte, verfinsterte sich der Himmel gewitterschwer. Wenn er sein schreckenerregendes Haupthaar schüttelte, erzitterte der Olympos vom Gipfel bis zur Sohle. Wenn Zeus aber lächelte, so wurde der weite Äther, in dessen Umarmung die Erde ruht, augenblicklich hell und heiter, der Himmel wolkenlos blau. In seiner Linken hielt Zeus die Aigis, den grauenhaft leuchtenden Schild mit dem Gorgonehhaupt in der Mitte; wehe, wenn er ihn schwang, da brachen furchtbare Stürme los! Zur Rechten seines Thrones hielt ein scharfblickender Adler Wache. Der heilige Vogel hatte einst in seinen Krallen dem Göttervater die Blitze der Kyklopen aus dem Tartaros gebracht, und Zeus hatte ihn für immer zum Hüter der todbringenden Waffen bestellt. Geordnet war die Schöpfung, gebändigt. Nicht mehr durchtobten drachenfüßige Giganten die Täler und Triften der Erde, sondern Demeter schritt darüber hin, den Ährenkranz im Haar, und weckte wogendes Korn aus den Äckern. Pan schützte die Herden, Artemis die Jagd, in Häusern und Tempeln brannte Hestias wohltätige Herdflamme, und Dionysos, umringt von springenden Satyrn und verzückten Bakchantinnen, spendete befeuernden Rebensaft, indes Apollon und Pallas Athene die Seelen für Werke der Schönheit und Gerechtigkeit begeisterten. Recht und Gesetz herrschten auch im grausigen Tartaros, im Totenreich. Hart an seine düsteren Gefilde grenzte ein seliger Ort, das Elysium, in welches sogar die Strahlen der Sonne drangen. Früher, im goldenen Zeitalter, da Kronos regierte, kamen alle abgeschiedenen Seelen an diesen Ort der Wonne. Aber unter der Herrschaft des Zeus wurden es immer weniger, und schließlich durften nur noch fromme Seher und auserwählte Helden, die sich für andere hingeopfert hatten, ins Elysium einkehren. Den gewöhnlichen Sterblichen war nach dem Tode das graue Schattenreich bestimmt. Dieses Schattenreich haben die Seher und Dichter des Griechenvolkes genau gekannt und beschrieben.

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