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Das Reich des Kronus

ie Söhne und Töchter des Uranos, die Titanen, hatten sich nach ihrer Befreiung durch Kronos untereinander vermählt, und zahlreiche herrliche Kinder entsprossen ihnen und ordneten die immer noch wilde Schöpfung durch mancherlei weise Werke. Helios lenkte den glutsprühenden, vierspännigen Sonnenwagen Tag für Tag von Aufgang nach Untergang, Selene, die Göttin des Mondes, regierte ihr mildes Nachtgestirn, und Eos, die Gottheit der Morgenröte, führte alltäglich Helios, den Gott der Sonne, aus den Fluten des Meeres herauf. Diese drei waren Kinder des Titanen Hyperion und der Titanin Theia. Koios und die Titanin Phoibe hatten zwei Töchter, Leto und Asteria. Leto wurde später die Mutter zweier mächtiger lichter Götter, des sonnenglänzenden Apollon und der jagd- und naturfrohen Artemis. Asteria aber gebar Hekate, die dreigestaltige, dreigesichtige, schreckensvolle Göttin der Zauberei; über Mond, Erde und Unterwelt erstreckte sich ihre Macht, viel Krauses und Grausiges bewirkte sie, spendete aber auch manchen Segen. An Dreiwegen errichtete man ihr Bildsäulen und Altäre und verehrte sie besonders in den lichtlosen Nächten des Neumonds. Von Iapetos stammen die Titanen Atlas, Phrometheus und Epimetheus ab: Atlas, dem später das ganze Himmelsgewölbe mit allen Sonnen und Sternenwelten auf die Schultern geladen wurde, Prometheus, der Trotzige, der die Menschen erschuf und in die Zukunft blickt, Epimetheus, dessen freundlich wissendes Auge ewig im Vergangenen ruht. Von Okeanos endlich stammten alle Quellen, Flüsse und Ströme ab, die schöne Titanin Tethys war ihre Mutter. So bevölkerten zahlreiche neue Götter den hohen Äther und die weite Erde, und Kronos, der die hundertarmigen Riesen und die schauerlichen Kyklopen wohlweislich auch weiterhin im Tartaros einsperrte, war ihrer aller Herr. Es war ein goldenes Zeitalter, das er und seine Geschwister herauf führten.

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