::.. Der Panther und die Hirten

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Die Menschen, die von uns verachtet worden sind,
Die pflegen Gleiches stets mit Gleichem zu bezahlen.

In einem Graben fiel ein Panther unversehens.
Dies sahen Bauern. Manche warfen ihn mit Knittel.
Und andere mit Steinen, wen´ge fühlten Mitleid,
Da ihm ja doch der Tod gewiß, wenn ihn auch niemand
Verletz´; sie gaben Brot, damit er´s Leben friste.
Die Nacht bricht an, und sorglos gehen sie nach Hause.
Den Glauben hegend, morgens eine Leich´zu finden.
Der Panther doch erholte sich gar bald vom Falle,
Befreiet sich mit schnellem Sprunge aus der Grube
Und eilet in gestrecktem Lauf zu seiner Höhle.
Nach wenig Tagen bricht er sehr ergrimmt hervor,
Zerreißt die Herde, und selbst Hirten tötet er;
Und alles rings verwüstend, wütet er im Zorn.
Nun zitterten auch, welche einst das Tier geschont,
Und alles gern verlierend, bitten sie ums Leben.
Doch jener spricht: «ich weiß, wer mich mit Steinen warf,
Wer Brot mir gab. Ihr habt nicht meine Wut zu fürchten.
Nur gegen jene wend ich mich, die mich verletzten.»

(Phaedrus)